Schul- und Volkssternwarte Johannes Kepler Crimmitschau
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Protuberanzenbeobachtung mit der Webcam

von Frank Sipeer, 23.04.2004

Unsere Sonne wird bei näherem Hinsehen nicht immer dem Eindruck gerecht, nur das ruhige, einheitliche und perfekte Gestirn zu sein, um das sich die Erde dreht.Vielmehr finden in ihrem Inneren Prozesse statt, die in unvorstellbaren Größenordnungen Wasserstoff in Helium umwandeln. Die dabei entstehende Energie sorgt dafür, daß im Inneren unvorstellbare Kräfte und Temperaturen entfesselt werden. Selbstverständlich können wir froh darüber sein, denn ohne die abgestrahlte Wärme und das Licht, hätte sich wohl nie der Mensch oder sonst ein Lebewesen auf der Erde entwickeln können. Das ganze Zusammenspiel im Inneren setzt sich jedoch auch über die Grenzen der Sonnenoberfläche hinweg fort. Das Magnetfeld, welches von der Sonne gebildet wird, weist im gesamten einen gleichmäßigen Wert auf. An den Stellen, an denen jedoch Schwankungen zustande kommen und eine niedrigere Stärke die heißen Gasteilchen auf der Sonnenoberfläche nicht mehr halten kann, kommt es aufgrund des gewaltigen Druckes zu Auswürfen an Materie, die bis weit in den Raum hinausgeschleudert werden. Freie Ladungsträger werden in den Weltraum abgestrahlt, während die "festere" Materie bestehend aus Wasserstoffionen abkühlt und auf die Oberfläche zurückfällt. Dieses Schauspiel kann sich über Stunden, ja sogar Tage hinweg vollziehen.

Erfolgt ein solcher Auswurf, welcher als ?Protuberanz? bezeichnet wird, in Richtung Erde, so besteht von den abgegebenen Ladungspartikeln immer wieder eine Gefahr für Satelliten und empfindliche elektrische Geräte. Denn aufgrund unserer immer mehr zunehmenden Anzahl und Abhängigkeit von Satelliten und elektronischen Geräten besteht die Möglichkeit, daß bei einem Ausfall wichtiger Systeme weite Bereiche des Lebens eingeschränkt werden könnten. Die Ladungsträger erzeugen bei ihrem Auftreffen auf das irdische Magnetfeld einen Ladungsstrom, der in Satelliten und Stromleitungen durch den induzierten Stromfluß (ähnlich einem Magneten in einer Spule) zu Störungen und sogar zu einer Zerstörung von Bauteilen führen kann. Aus diesem Grund ist eine regelmäßige Beobachtung der Sonne von immer größerer Bedeutung. Dies erfolgt zu Großteil durch erdgebundene Teleskope, aber auch aus dem Weltraum, so zum Beispiel durch die im Dezember 1995 gestartete Raumsonde SOHO.

Da die Protuberanzen allerdings von der gleißend hellen Oberfläche der Sonne überstrahlt werden, sind für deren Beobachtung spezielle Filter entwickelt worden, die das Sonnenlicht nur auf bestimmten Frequenzbereichen durchlassen. Von der Sternwarte ist vor einigen Jahren ein solcher Filter gekauft worden, so dass es möglich ist auch aus Crimmitschau einen gefahrlosen Blick auf diesen Bereich der Sonne zu werfen, der sonst nur von Großobservatorien möglich war.

Durch Kombination einer handelsüblichen Webcam und einem so ausgestatteten Teleskop ist es möglich geworden, die Bilder auch am PC zu betrachten. Bildbearbeitungssoftware steuert als Ergänzung noch bei, daß weiter Feinheiten, für das Auge z.T. nicht sofort sichtbar, zu Tage treten. Durch Kombination von mehreren hundert aufgenommenen Bildern ist es so möglich, daß man Luftunruhe, welche das Bild wackeln läßt, reduzieren und die Detailqualität maximieren kann.

Sonnenprotuberanz 20.02.2004
Protuberanz am 20.02.2004
Webcam am Telementor 63/840 mit Coronado-Filter
Autor: Frank Sipeer