Schul- und Volkssternwarte Johannes Kepler Crimmitschau
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Der Planetenhimmel im Mai und Juni 2014

von Andreas Fritsche, 09.05.2014

Im Mai sollte der flinke Merkur unbedingt auf der Beobachtungsliste stehen, denn er bietet die beste Abendsichtbarkeit des ganzen Jahres. Die günstigste Beobachtungszeit liegt zwischen dem 10. und 15. Mai. Dann ist der Planet in der Abenddämmerung dicht über dem Nordwesthorizont aufzuspüren. Merkur befindet sich derzeit in einer Region mit nur schwachen Sternen, so dass eine Verwechslung mit einem anderen Planeten oder hellen Stern ausgeschlossen ist (Abb. 1). Aufnahmen der Merkursonden zeigen, dass Merkur wie unser Mond mit Einschlagkratern regelrecht übersät ist - ein Zeichen für das Fehlen einer Atmosphäre (Abb. 2).

Venus bleibt uns auch im Mai und Juni als Morgenstern erhalten. Dabei verfrühen sich ihre Aufgänge von 04:45 Uhr MESZ Anfang Mai auf 03:25 Uhr MESZ Ende Juni. Ihre Helligkeit bleibt fast unverändert. Mit ca. -4 Größenklassen ist sie weiterhin ein auffälliges Objekt am Morgenhimmel.

Der rote Planet Mars ist im Mai fast die ganze Nacht im Sternbild Jungfrau sichtbar. Am Abend des 4. Mai gesellt sich zu ihm der Mond, der dann zwischen dem roten Planeten und dem Hauptstern der Jungfrau steht. Weiter östlich ist in Horizontnähe Saturn zu sehen. Die Marsuntergänge verfrühen sich ziemlich rasch, so dass sich Ende Juni der Planet allmählich unserer Beobachtung entzieht. Derzeit steht Mars wieder im Fokus der Erforschung mit einem Marsfahrzeug. Der Rover "Curiosity", der bereits im August 2012 auf dem Mars gelandet ist, hat vor allem die Aufgabe, durch Bodenproben die Struktur von organischen Verbindungen zu analysieren. Diese Vorstufen der Bausteine des Lebens sollen Aufschluss darüber geben, ob es primitives Leben auf dem Mars geben könnte oder zumindest in der Frühzeit des Mars gegeben hat (Abb. 3).

Riesenplanet Jupiter kann im Mai noch nach Einbruch der Dämmerung über dem westlichen Horizont aufgesucht werden. Er steht inmitten der Zwillinge und kann leicht aufgefunden werden. Schon das kleinste Fernglas genügt, um die vier großen Jupitermonde sehen zu können. Bereits nach einem Tag wird der Beobachter feststellen, dass sich ihre Position zu Jupiter und auch zueinander geändert hat. Oftmals sind nicht alle Monde zu sehen. Dann befinden sich diese entweder vor der Planetenscheibe, werden von Jupiter bedeckt oder von ihm verfinstert (Abb. 4).

Saturn kommt am 10. Mai in Opposition zur Sonne. Damit ist für den Ringplaneten die beste Beobachtungszeit gekommen. Im Mai wird Saturn die ganze Nacht hindurch zu sehen sein und auch im Juni liegt seine Untergangszeit erst in der zweiten Nachthälfte. Das Ringsystem ist derzeit mit ca. 22° recht weit geöffnet. Der 8.3 mag helle, bereits von Cristiaan Huygens im Jahre 1655 entdeckte Saturnmond Titan ist schon mit einem Fernglas zu sehen. Am Abend des 11. Mai ergibt sich eine schöne Konstellation, wenn Saturn zusammen mit Mond und Mars über dem südlichen Horizont zu finden ist (Abb. 5).

Merkur in der Dämmerung
Abb. 1: Die Chance des Jahres: Merkur in der Dämmerung über dem Nordwesthorizont.
Autor: Stellarium.org
Raumsonde Messenger erforscht den Merkur
Abb. 2: Die Raumsonde Messenger erforscht den Merkur, hier in einer künstlerischen Darstellung.
Autor: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Lab
Rover Curiosity auf dem Mars
Abb. 3: Eines der aktuellen Bilder - hier der Rover Curiosity auf dem Mars, aufgenommen am 11.04.2014 vom in der Marsumlaufbahn befindlichen Marsorbiter. Im oberen Bilddrittel sind deutlich die Spuren zu sehen, die Curiosity im Marsboden hinterlassen hat.
Autor: NASA/JPL-Caltech/Univ. of Arizona
Jupiter über dem Westhorizont Mitte Mai
Abb. 4: Jupiter über dem Westhorizont Mitte Mai gegen 22:30 Uhr MESZ. Unten rechts im Bild die Okularansicht von Jupiter und seinen Monden im Fernglas oder kleinem Teleskop.
Autor: Stellarium.org
Saturn im Sternbild Waage
Abb. 5: Während sich Saturn im Sternbild Waage aufhält, stehen der Mond und Mars dicht beieinander im südlichen Teil der Jungfrau. Himmelsanblick am 11. Mai um 22.30 Uhr MESZ.
Autor: Stellarium.org