Schul- und Volkssternwarte Johannes Kepler Crimmitschau
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von Frank Andreas, 31.10.2011

In der weithin sichtbaren 3-Meter-Kuppel auf dem Dach der Sternwarte befindet sich ein Coudé-Refraktor 150/2250 von Carl Zeiss Jena. Es handelt sich dabei also um ein Linsenfernrohr mit abgeknicktem Tubus mit einer Objektivbrennweite von 2250 mm und einem Objektivdurchmesser von 150 mm.

Das Gerät wurde am 13. Oktober 1971 in einer spektakulären Aktion durch einen Hubschrauber in die Kuppel eingesetzt. Das Gerät zählt zu unseren leistungsfähigsten Geräten. Er wird vorrangig für Beobachtungen des Mondes, der Sonne und der Planeten genutzt.

1999 wurde die alte Nachführung des Fernrohrs durch Schrittmotoren mit Computersteuerung (PowerFlex MTS-3 der Firma Boxdörfer-Elektronik) ersetzt. Entgegen dem vorherigen Zustand kann jetzt sowohl die Stundenachse (Rektaszension) als auch die Deklinationsachse präzise den Objekten des Sternhimmels nachgeführt werden.

In Zusammenarbeit mit der CCD-Kamera ST-7 kann das Fernrohr auch völlig automatisch gesteuert werden. Damit sind Langzeitbelichtungen mit der Kamera möglich, die in Verbindung mit dem 20-cm-Newton-Spiegelteleskop erheblich schwächere Objekte detailreich abbilden können.

Seit Mitte 2005 wurde das Fernrohr einer umfassenden Erneuerung unterzogen. Äußerlich lässt sich das an einem neuen Anstrich und einem aufgeräumten Kabelbaum, der in den letzten Jahren stark gewachsen ist, erkennen. Die wesentlichste Neuerung betrifft die Installation von digitalen Teilkreisen, welche Anfang Mai 2006 in Betrieb genommen wurden. Sie dienen dazu, die Position des Teleskops per Computer anzeigen zu lassen. Damit lassen sich jetzt auch mit dem ältesten einsatzbereiten Fernrohr der Sternwarte leichter schwierig aufzufindende Objekte lokalisieren.

Im Herbst 2010 wurde ein weiterer Schritt bei der Restauration abgeschlossen. Nach mehreren Jahrzehnten erfolgreicher Beobachtungstätigkeit hatten sich leider zunehmend andere Altersbeschwerden am Fernrohr gezeigt. Vor allem im Winter lies sich das Teleskop nur noch äußerst schwer bewegen. Darüber hinaus konnte die Optik nicht mehr optimal scharf gestellt werden. Ein Prüfung des Objektivs ergab, dass die Linsen dejustiert und durch eindringende Feuchtigkeit verschmutzt waren. Die Firma Baader-Planetarium hat das Objektiv fachgerecht zerlegt, gereinigt und neu kollimiert.
Vereinsmitglieder haben in vielen Arbeitsstunden die Mechanik des Fernrohrs wieder in Schwung gebracht. Große Unterstützung hatten wir hier u.a. von unserem Sternfreund Christian Trefflich, der Teile des Fernrohrs in seinem Metallbaubetrieb bearbeitete. Am 23. September 2010 begingen wir feierlich die Neueinweihung und die Namensweihe des Coudé-Refraktors. Seit diesem Tag ehren wir unseren ehemaligen Sternwartenleiter mit der Namensgebung "Heinz-Albert-Teleskop".

Siehe auch: Einweihung des Coudé-Refraktors am 23.09.2010

Im Oktober 2011 wurde das Teleskop weiter komplettiert. Den schon vorhandene 200-mm-Newton-Spiegel hat Helko Böhme komplett umgebaut. Er steckt jetzt in einem schicken weinroten Tubus. Damit dieses Zusatzteleskop auch exakt parallel zur optischen Achse des Coudé-Fernrohrs ausgerichtet werden kann, hat Christian Trefflich ein Verbindungsstück entworfen und gebaut. Das Fernrohr wird allerdings nicht zum Durchschauen genutzt, sondern dient der Astrofotografie. Zu diesem Zweck kann eine digitale Spiegelreflexkamera (Canon EOS 1000Da) oder eine CCD-Kamera an den Okularauszug montiert werden.

Siehe auch: Coudé-Refraktor reloaded

Coude historisch Hubschrauber
Am 13. Oktober 1971 wurde das Gerät in einer spektakulären Aktion durch einen Hubschrauber in die Kuppel eingesetzt. Das Gerät zählt zu unseren leistungsfähigsten Geräten.
Coude gesamt
Coudé-Refraktor in der 3- m-Kuppel nach der Rekonstruktion 2005.
Autor: Frank Andreas
Coude Rektaszensionsmotor
Schrittmotor zur Nachführung des Fernrohres in Rektaszension
Coude Steuerung
Boxdörfer-Steuerung für die Nachführmotoren
Autor: Frank Andreas
fp16
Teildemontage des Coudé-Refraktors.
Autor: Eva-Maria Burkhardt
fp11
Das Carl-Zeiss-AS-Objektiv 150/2250 des Coudé-Refraktors vor der Restauration. Die fleckige Oberfläche zeigt Schäden in der Oberflächenvergütung.
Autor: Eva-Maria Burkhardt
Coude_Newton02
Das 200mm-Newton-Spiegelteleskop (rot) mit seiner von Christian Trefflich gefertigten Halterung (blau) am Heinz-Albert-Teleskop (beige) ;)
Autor: Steffen Kahle